Fidelitashütte (Hochwildehaus)–2.883 mtr
Die Touridee entstammte der Tatsache, dass ich noch nie auf dem Ramolhaus war. Das angesagte Hochdruckgebiet, die Tatsache, dass ich
kurzfristig frei nehmen konnte und mein “Strohwittwerstatus” ließen mich am Nationalfeiertag in Obergurgl aufbrechen.
Mit im Gepäck war das Klettersteigzeugs. Der Klettersteig Schwärzenkamm liegt am Weg und ich wollte die Gelegenheit nicht unnütz
verstreichen lassen, nur weil ich die Ausrüstung nicht dabei hatte. Leider hielt das Wetter, zumindest am Mittwoch, nicht ganz, was
der Wetterbericht voraussagte (naja, ich bin Berufsoptimist und hatte es eben “falsch übersetzt”). Überhaupt, die Tour ging nur deshalb los,
weil ich meine Regel: “umdrehen gilt frühestens am Ausgangspunkt” anwandte. Dann kam noch die Parkmisere. In Obergurgl kannst Du,
auch außerhalb der Saison, nirgends (!!) kostenfrei parken. Schon gar nicht über Nacht. Da ich keine finanzielle Ausgaben haben konnte, war
mein Bargeldvorrat enden wollend und Bankomatkarte war auch keine dabei. Es ging sich aber aus…..
Bei wechselnden Bedingungen brach ich auf. Schon nach 20 Minuten kam ein erster Regenschauer und ich war froh um die Regenjacke und die
Schutzhülle vom Rucksack, die ich noch nachträglich einpackte. Das Regenzeugs blieb dann auch an, bis zum Ziel. Die Langtalereck Hütte war
bald erreicht.
Von dort stieg ich kurz ab ins Langtal und setzte den Weg Richtung Hochwildehaus fort. Wettertechnisch war es, wie um meine
Gefühle bestellt. Hin- und her gings. Mal schien die Sonne, darauf folgte ein Regenschauer, schon mal mit Graupel versehen. Beim Abzweig
zum Klettersteig bog ich ab, zumindest den Einstieg wollte ich sehen. Dort angekommen rüstete ich spontan um, so schlimm sollte es doch
nicht werden. Doch nach wenigen Metern drehte das Wetter erneut und erinnerte mich daran, dass Fels bei Nässe rutschiger ist als bei Trockenheit.
Zudem waren meine klobigen “2er Böcke” nicht sehr hilfreich bei gefühlvollem Steigen. Ich überwand daher die erste heikle Stelle (C/D laut Topo
vor Ort) und war froh, dass es einen versicherten Notabstieg gab, der mich zum Normalweg zurückführte.
Trotz Allem hatte ich Freude am kurzen
Klettertrip und nahm die Erfahrung mit nach Hause, für eine Besteigung bei trockenen Verhältnissen. Nun trottete ich am Weg 35 weiter.
Es zog zu und graupelte und schneite. Die Sehnsucht nach Trockenheit und Wärme wurde auf den letzten Wegmetern größer und größer.
Schließlich traf ich an der (Selbstversorger-)Hütte ein. Die Spannung löste sich, als ich eintrat und nach einer Inspektion – so wie man sie macht,
wenn man ein Hotelzimmer bezieht – fand, daß alles zum Bleiben perfekt war. Ich richtete mich ein, besorgte Holz und Wasser, heizte ein und genoss es,
da zu sein. Langsam wurde die Hütte warm und mein Gaskocher leistete gute Dienste beim Zubereiten eines Reisgerichts.
Satt, trocken, warm.
Manchmal braucht man nur das, um glücklich zu sein. Einzig die Nacht war unruhig. Man kann noch so erwachsen sein, mit noch
so viel Erfahrung, die vielen Geräusche lassen einen nicht gut schlafen und man ist permanent im Alarmmodus…..