{"id":16593,"date":"2010-08-29T17:58:22","date_gmt":"2010-08-29T15:58:22","guid":{"rendered":"https:\/\/www.60ergang.at\/wordpress\/?p=16593"},"modified":"2024-10-14T14:06:44","modified_gmt":"2024-10-14T12:06:44","slug":"16593-2","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.60ergang.at\/wordpress\/16593-2\/","title":{"rendered":"Karwendelmarsch 2010"},"content":{"rendered":"<h1>Karwendelmarsch 2010<\/h1>\n<p>oder &#8211; die h\u00e4rteste Tour in meinem bisherigen Leben.<\/p>\n<p>Details zur Streckenf\u00fchrung erspare ich euch (wer trotzdem was dazu wissen will, im Vorjahresbericht 2009 nachschauen oder<a href=\"http:\/\/www.karwendelmarsch.info\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">\u00a0www.karwendelmarsch.info<\/a>\u00a0anklicken).<\/p>\n<p>Um 05.50 Uhr steige ich aus dem Auto &#8211; Walli hat sich aus dem Bett gequ\u00e4lt und mich zum Start chauffiert. Vor Ort sind die L\u00e4ufer schon in Startposition, die Marschierer f\u00fcllen einen gro\u00dfen Warteplatz etwas dahinter. Es regnet. Stark. Ich setze die Kapuze auf und freue mich \u00fcber vermeintlich regenfestes Wandergewand. Die Regenhose denke ich mir (Fataler Fehler!!), ist nicht notwendig und so bleibt diese im Rucksack (!!).<\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"640\" height=\"480\" class=\"wp-image-16594\" src=\"https:\/\/www.60ergang.at\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2024\/10\/word-image-16593-1.jpeg\" srcset=\"https:\/\/www.60ergang.at\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2024\/10\/word-image-16593-1.jpeg 640w, https:\/\/www.60ergang.at\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2024\/10\/word-image-16593-1-400x300.jpeg 400w, https:\/\/www.60ergang.at\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2024\/10\/word-image-16593-1-600x450.jpeg 600w\" sizes=\"auto, (max-width: 640px) 100vw, 640px\" \/><\/p>\n<p>Als ungef\u00e4hr f\u00fcndhundertster Wanderer stelle ich mich an, um den Startstempel f\u00fcr das den Laufverlauf beweisende Stempelheft zu bekommen. Meine Startnummer (1182) habe ich schon um die Brust geschn\u00fcrt. Der Platzsprecher hat vorher die Sch\u00fctzen um Aufstellung gebeten, jetzt kracht es ordentlich und damit war der Startschu\u00df f\u00fcr die L\u00e4ufer gegeben. Jetzt sind wir dran, die Pforten \u00f6ffnen sich und 8 &#8222;Stempler&#8220; fertigen z\u00fcgig die Wandersm\u00e4nner ab, jedem sch\u00f6n seinen Stempel ins Stempelheft.<\/p>\n<p>Es ist finster. Und regnet wie wild. Ich bin Optimist, das h\u00f6rt auf, sicher! Wenn Engel marschieren&#8230;&#8230;&#8230;&#8230; \ud83d\ude42<\/p>\n<p>Nach der Larchetalm bin ich nicht mehr optimistisch. In den Regen mischen sich wuchtige Schw\u00e4lle von oben, so, als ob jemand Wasserk\u00fcbel aussch\u00fcttet, und das Ganze auf dich prasselt. Werden die Schuhe halten? Ich glaube schon zu sp\u00fcren, da\u00df es durchl\u00e4\u00dft. 30 Minuten sp\u00e4ter ist es Gewi\u00dfheit. Die Schuhe saufen sich langsam voll. Taktik?<\/p>\n<p>Neben der St\u00e4rkung und Erholung, die jede Labestation bietet, versuche ich, weitere Annehmlichkeiten mit der Ankunft bei jeder Station zu verbinden. Man mu\u00df dazusagen, da\u00df man bei diesem Marsch ein unaufgezwungenes &#8222;Eilbed\u00fcrfnis&#8220; an den Tag legt. Also einfach so stehenbleiben und mal lange an irgendetwas herumfuhrwerken, das geht nicht (obwohl, wie gesagt, NIEMAND schafft einem die Eile an, man hat sie einfach). So kommt es, bitte nicht lachen, da\u00df mein erstes &#8222;Zusatzbonbon&#8220; bei der Larchetalm das festere Schn\u00fcren der Schuhe werden soll.<\/p>\n<p>Und beim Karwendelhaus setze ich die Kopfh\u00f6rer auf und werde ganz in Musik versinkend weitergehen. Das w\u00e4re dann Bonbon Nummer 2. W\u00e4re, und gewesen. Wasserschaden Nr. 1. Der MP3 Player hat den Geist aufgegeben. Ich bin mittlerweile bereits na\u00df bis auf die Haut. Einzig die Salewa Regenjacke scheint zu halten (scheint). Meine lange Tourenhose jedenfalls ist etwa 1 kg schwerer als normal. Jetzt stellt sich die Frage, wie ich ohne Musik die lange Gehzeit kurzweiliger gestalten kann. Geholfen hat dann sicher &#8222;der da oben&#8220; und mir exakt etwas unterhalb des Karwendelhauses einen Marschpartner zum quatschen geschickt. Egon. Ein 100 kg Bulle aus Osttirol, viel kleiner als ich, aber hochmotiviert und ein guter Gespr\u00e4chs- udn Tourenpartner. Das Eis bricht als er mich um eine Kopfwehtablette fragt. Eh klar, hab`ja immer 2 Thomapirin dabei. Wir machen die Pause extrem kurz und k\u00f6nnen uns gegenseitig anheizen und anstacheln. Das ist bei den Verh\u00e4ltnissen dringend notwendig. Auch Egon hat bereits das Problem, in seinen Schuhen zu schwimmen. Einen wasserdichten Bergschuh scheint es nicht zu geben. Gleich kurbeln wir hinab Richtung Ahornboden. Eine wilde Flu\u00dfquerung wird mein letztes Bild sein, bevor Wasserschaden Nr. 2 am Fotoapparat entsteht.<\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"640\" height=\"480\" class=\"wp-image-16595\" src=\"https:\/\/www.60ergang.at\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2024\/10\/word-image-16593-2.jpeg\" srcset=\"https:\/\/www.60ergang.at\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2024\/10\/word-image-16593-2.jpeg 640w, https:\/\/www.60ergang.at\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2024\/10\/word-image-16593-2-400x300.jpeg 400w, https:\/\/www.60ergang.at\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2024\/10\/word-image-16593-2-600x450.jpeg 600w\" sizes=\"auto, (max-width: 640px) 100vw, 640px\" \/><\/p>\n<p>Gleich danach gibt es eine Begegnung mit zwei L\u00e4ufern aus dem Lieblingsnachbarland. Sie stehen kurz\u00e4rmlig (!!)\u00a0 fr\u00f6stelnd am Wegesrand und schauen uns mit Dackelblick an: &#8222;habt ihr vielleicht was Warmes zum anziehen f\u00fcr uns?&#8220;\u00a0 &#8222;Haben schu, aber brauchi selber!&#8220; war meine kurze Antwort und ich stie\u00df Egon meinen Ellbogen in die Seite und raunte: &#8222;gea, weiter, sunsch hamma si picken&#8220;.<\/p>\n<p>N\u00e4chste Station Ladizalm. Mampfen, st\u00e4rken, Tee, w\u00fcrgen, schnell! Weiter gehts steil Richtung Falkenh\u00fctte. In dieser Passage sehen wir die ersten Aufgeber. Egon macht das Tempo, ich hinter ihm Druck. Nach 40 min Eintrudeln auf der Falkenh\u00fctte. Es gibt w\u00fcrzige Haferflockensuppe. 2 Becher. Hei\u00dfen Tee mit Apfelsaft gek\u00fchlt (dass er schneller zum hinunterw\u00fcrgen geht), zwei St\u00fcck Bananen und 1 Mega-Kalorien Keks. Das MKS ist mit N\u00fcssen, Sonnenblumenkernen, Getreideflocken, Honig und in Butterschmalz herausgebacken. Wahrscheinlich hat 1 Keks soviele Kalorien, wie man normalerweise als Hauptmahlzeit zu sich nimmt.<\/p>\n<p>Nun nur noch die Lalidererw\u00e4nde entlang und aufs letzte Joch, bevor es in die Eng runtergeht.\u00a0 An das Schwimmen in den Schuhen habe ich mich mittlerweile gew\u00f6hnt und ich fasse den Entschlu\u00df, mit den nassen Dingern bis zur Gramaialm durchzugehen. In Summe trage ich 3-4 kg mehr durch das Wasser mit mir herum. Appropos: als ich nach der Flu\u00dfquerung den Fotoapparat aus der Tasche nahm, wunderte ich mich dar\u00fcber, da\u00df er vor N\u00e4sse triefte. Und kam drauf, da\u00df sich in meinen beiden Jackentaschen jeweils ein halbes Saftglas voller Wasser befand!! Wenn jemand sagt, &#8222;da\u00df Wasser kommt \u00fcberall hin&#8220;, hat diese Aussage f\u00fcr mich neue Bedeutung gewonnen. Und die Rucksackregenh\u00fclle beulte sich auch unten aus und man konnte das Wasser hin- und herschwappen sehen.<\/p>\n<p>Eng: nur mehr einzelne Gruppen trudeln ein, kein Anstehen mehr. Blaubeersuppe, Tee, Vollkornkekse, schnell hinein stopfen. 3 Minuten. Egon: &#8222;gemma!&#8220; Ich: yo Sir. Der Aufstieg und damit die Schl\u00fcsselstelle der Tour, hinauf aufs Binsjoch auf 1903 mtr. Es war echt hart. Steil, Schlammig, kalter Wind. Trotzdem &#8211; geschafft. Nur mehr 250 hm runter zum Gramaihochleger. Ein K\u00e4sebrot, Banane, W\u00fcrgteeapfelsaftmischung. Den Ofen am Brennen halten. Der Abstieg zur Gramaialm ist absch\u00fcssig und lehmig. Obachten wegen ausrutschen. Trotzdem, mit vollem Stockeinsatz hinunterbrettern war angesagt. Mehr Laufen als Gehen. Die 500 hm waren flugs geschafft.<\/p>\n<p>Wieder Tanken. Blaubeersuppe, Kraftbr\u00fche, Kekse, Banane. &#8222;Nur mehr 9 km&#8220; &#8211; yipieh!\u00a0 Wir wissen, da\u00df wir es geschafft haben, obwohl noch ein hartes Wegst\u00fcck vor uns liegt. Es ist, wie das Warten aufs Weihnachtsgeld, man wei\u00df schon im September, da\u00df es kommt, aber es dauert halt noch&#8230;&#8230;<\/p>\n<p>Irgendwann kommt auch die Falzthurnalm. Nochmals alles reinjagen, was herumliegt. Der Bergwachtler will, da\u00df ich Schnaps trinke. Ich schimpfe ihn und gehe weiter. Die lange Gerade Richtung Pertisau entlang, bald schon tauchen erste H\u00e4user auf. Das Herz schl\u00e4gt schneller, ja, ja, nicht mehr lange, dann bin ich durch. Egons Sohn hat auch mitgemacht, 17 Jahre, Zeit: 6:02 (!!!!). Er wartet auf seinen Vater am Ortseingang und wir trappeln nun zu dritt Richtung Ziel. Ich verabschiede mich jetzt und beeile mich noch ein bi\u00dfchen mehr. Es gilt, die Vorjahreszeit (11:15) zu unterbieten. Hinein in den Zieleinlauf, die letzten Meter beweise ich Allen, da\u00df ich noch laufen kann, 10:46. Eine halbe Stunde schneller als im Vorjahr!<\/p>\n<p>Meine S\u00fcssen warten am Wegesrand und Luggi hat die Tasche mit trockenem Gewand bei der Hand. Endlich, warm und trocken. Mein h\u00e4rtester Marsch ist erfolgreich zu Ende.<\/p>\n<p>Termin n\u00e4chstes Jahr: 27.8.2011<\/p>\n<p>Nachtrag v. 13.9.2010: Fotoapparat und MP3 Player sind durch den Regen als Total-N\u00e4sseschaden abzuschreiben.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Giggi, 29.8.2010<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Karwendelmarsch 2010 oder &#8211; die h\u00e4rteste Tour in meinem bisherigen Leben. Details zur Streckenf\u00fchrung erspare ich euch (wer trotzdem was dazu wissen<\/p>\n","protected":false},"author":3,"featured_media":16595,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[7],"tags":[547],"class_list":["post-16593","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-berg","tag-karwendelmarsch"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.60ergang.at\/wordpress\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/16593","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.60ergang.at\/wordpress\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.60ergang.at\/wordpress\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.60ergang.at\/wordpress\/wp-json\/wp\/v2\/users\/3"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.60ergang.at\/wordpress\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=16593"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.60ergang.at\/wordpress\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/16593\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.60ergang.at\/wordpress\/wp-json\/wp\/v2\/media\/16595"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.60ergang.at\/wordpress\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=16593"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.60ergang.at\/wordpress\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=16593"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.60ergang.at\/wordpress\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=16593"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}